Was ist ein Workcamp

Der Begriff

Kurzdefinition: 2–3 Wochen mit 10–15 jungen Leuten (Jugendliche und junge Erwachsene) aus verschiedenen Ländern zusammenleben und an einem gemeinnützigen Projekt in Deutschland oder im Ausland mitarbeiten 

Die offizielle Bezeichnung lautet »Internationaler Jugendgemeinschaftsdienst«. Er wird allerdings eher selten (meist nur in offiziellen Schreiben und Anträgen) benutzt. Die Bezeichnung »Workcamp« ist international üblich, auch wenn andere Länder außerdem die Übersetzung in der jeweiligen Landessprache verwenden. Das deutsche »Arbeitslager« verbietet sich allerdings aufgrund der deutschen Geschichte.
Ein anderer Begriff: »Freiwilligendienst«; hierbei handelt es sich um einen zeitlich längeren Einsatz (ab drei Monate); es steht der Dienst, die Tätigkeit, im Vordergrund – nicht die Gruppe (wie bei einem Workcamp, wo die Arbeit zwar auch sinnvoll ist, aber nicht im Zentrum steht, sie ist meist dem Begegnungsgedanken untergeordnet).
Ein Freiwilligendienst kann also ein Einsatz in einer Einrichtung im In- oder Ausland sein, in der nur wenige oder keine weiteren Freiwilligen sind.
»Freiwillige« sind aber sowohl die Teilnehmenden eines Workcamps als auch eines Freiwilligendienstes.

 

Der Begriff »Camp« hat allerdings auch nichts mit »Camping« und meist auch nichts mit einem Zeltlager zu tun.



Die Teilnehmenden

Die Workcamps sind international besetzt; normalerweise sind sechs bis zehn verschiedene Nationalitäten vertreten. Als deutsche/r Teilnehmende/r triffst Du vielleicht noch ein oder zwei weitere Deutsche im Workcamp, mehr aber vermutlich nicht. Insgesamt sind es meistens 10–15 Personen.

Es gibt aber auch bi- oder trilaterale Projekte, wo nur zwei oder drei (teilweise auch vier) Nationalitäten vertreten sind.

 

Das Alter der Teilnehmenden liegt in der Regel zwischen 18 und Mitte 20. Es gibt aber auch Workcamps ab 16 / 17, oder auch sogenannte Teenage-Camps (15–17 bzw. 14–17).

 

Ein oder zwei Gruppenleiter/innen bzw. Teamer/innen kümmern sich und unterstützen die Organisation der Gruppe. Bei den Teenage-Camps gibt es eine intensivere Betreuung.



Die Unterkunft

Die Gruppe ist für gewöhnlich in eher einfachen Räumlichkeiten untergebracht (Selbstversorgerhäuser, Hütten, Gemeinschaftshäuser, Schulen, Jugendherbergen, in seltenen Fällen auch in Zelten).

 

Da Zelten nicht jedermanns Sache ist, ist dies in der Campbeschreibung entsprechend unter »accommodation« vermerkt. 

Das Campleben

Mit Unterstützung der Gruppenleiter/innen organisiert die Gruppe ihren Tagesablauf selbst.
Die Teilnehmenden kaufen (mit dem zur Verfügung gestellten Budget) selbst ein und kochen auch selbst (nicht für sich alleine, sondern für die gesamte Gruppe). Täglich sind – in der Regel – zwei aus der Gruppe zuständig für das Kochen und den Haushalt. Internationale Gerichte können somit vorgestellt und ausprobiert werden.


Auch die Arbeit findet gemeinsam statt, wobei diese – je nach Notwendigkeit – auch in Kleingruppen durchgeführt werden kann.


Die Freizeit wird teilweise gemeinsam gestaltet, es ist aber natürlich auch möglich, Zeit für sich alleine zu haben oder nur mit einigen aus der Gruppe etwas zu unternehmen.
An den Wochenenden finden meist Ausflüge statt.

 



Die Sprache

Die Campsprache ist in den Workcamps weltweit zumeist Englisch. Ausnahmen sind in der jeweiligen Campbeschreibung angegeben (in Frankreich beispielsweise gibt es neben den Englisch-sprachigen auch einige Französisch-sprachige Projekte; in Spanien hingegen macht es Sinn, Spanisch zu können, auch wenn die Campsprache Englisch ist, weil meist relativ viel Spanier teilnehmen). Grundkenntisse der Sprache sind ausreichend.

 

In einigen unserer Workcamps in Deutschland wird Deutsch gesprochen, weil sie (meistens) einen Sprachanteil, also eine Art Unterricht / Kommunikationseinheiten beinhalten (Sprachcamps bzw. language camps). Die ausländischen Teilnehmenden kommen unter anderem in diese Camps, um ihr Deutsch zu verbessern. Diese Workcamps mit Sprachanteil sind also auch für in Deutschland lebende Ausländer / Migranten geeignet, die ihr Deutsch verbessern wollen. In sprachlicher Hinsicht wichtiger als der zeitlich vorgegebene Unterricht von zwei Stunden täglich (ausgenommen an Wochenenden) ist die Selbstverpflichtung der Teilnehmenden, sich während der gesamten Campzeit nur auf Deutsch zu unterhalten. Das klingt streng, dient aber lediglich der eigenen sprachlichen Verbesserung.

 

Darüber hinaus freuen wir uns aber auch über Anmeldungen von Deutschen, die diese Sprach-Motivation nicht haben, aber dennoch an einem Workcamp in Deutschland teilnehmen und die »Gastgeberrolle« mit übernehmen und mit ihrer gegebenen muttersprachlichen Kompetenz die anderen Teilnehmenden unterstützen möchten.

 

Die anderen Workcamps haben Englisch als Campsprache.



Die Anreise

Die Fahrt zum Workcamp organisieren und finanzieren die Teilnehmenden selbst. Allerdings gibt es vor Campbeginn genauere Informationen, Fahrpläne, Hinweise zum Meeting-Point/Abholung vom nächstgelegenen Bahnhof etc.

 

Ausnahme: bei den geförderten Projekten in Afrika und Asien. Hier buchen wir die Flüge – nach Wünschen/Absprachen mit den Teilnehmenden.

 

Übrigens:Die genaueren Informationen mit Anreisebeschreibungen folgen in der Regel erst einige Wochen nach der Anmeldebestätigung. Solange musst du aber mit deiner (Flug-)buchung nicht warten. Denn der An- und Abreisetag (z. B. Projekt 13.–27.07. = Anreisetag der 13., Abreisetag der 27.) ist jeweils komplett für die An- bzw. Abreise vorgesehen. Wobei es natürlich praktischer ist, nicht erst am späten Abend am Zielflughafen zu landen, weil es dann mit der Weiterreise schwieriger werden kann bzw. der manchmal zumindest zur Vereinfachung angebotene Meetingpoint nicht in Anspruch genommen werden kann.

 

Außerdem sorgen wir für einen Adress-Austausch, wenn mehr als ein/e Teilnehmer/in über uns am selben Workcamp teilnimmt.

 

Und natürlich stehen wir bei allen diesbezüglichen Fragen zur Seite und geben Tipps/Hilfestellungen.

 

Ausnahmen hinsichtlich dieser Fahrtkostenregelung sind bestimmte (aber wenige) besonders geförderte Projekte im Ausland, wo die Fahrtkosten teilweise oder vollständig gefördert werden. Dies ist in der jeweiligen Campbeschreibung angegeben.



Die Partner

In Deutschland sind Kommunen und gemeinnützige Vereine unsere Partner – sogenannte Projektträger. Sie stellen das Arbeitsprojekt und sorgen auch für die Arbeitsanleitung. Oft gehört ihnen auch die Unterkunft.

 

Im Ausland haben wir in vielen Ländern Partnerorganisationen, die eigenständig ihre Projekte organisieren, so wie pro international e.V. für die eigenen Workcamps hier in Deutschland zuständig ist. Fast alle unserer Partner sind im Netzwerk der sogenannten »ALLIANCE« vertreten.



Der Zeitraum

Workcamps dauern zwei oder drei Wochen; An- und Abreise sind fast immer am Wochenende. Die konkreten Termine sind jeweils vorgegeben. Es gibt auch (wenn auch nicht viele) längerfristige Projekte (MTV = Mid Term Volunteering = drei bis sechs Monate; LTV = Long Term Volunteering = sechs bis zwölf Monate).

 

Mehrheitlich finden die Workcamps zwischen Juni und September, also im Sommer bis Anfang Herbst, statt. Doch es gibt auch einige Workcamps außerhalb dieses Zeitraumes (sogenannte »Off-Season-Camps«).



Die Zielländer

Den meisten geht es bei der Suche nach einem Workcamp um einen Auslandsaufenthalt, wobei es auch Workcamps in Deutschland gibt. Hier ist die Rolle der Deutschen in den internationalen Gruppen als »Gastgeber« aber auch nicht unwichtig.


Im Ausland kann man über die verschiedenen Anbieter Workcamps fast weltweit besuchen. Wobei die am meisten nachgefragten Länder in Westeuropa liegen (die meisten deutschen Teilnehmenden wollen erfahrungsgemäß nach Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien). Danach folgen sogenannte Entwicklungsländer in Übersee (Beispiel Asien: Thailand ist recht beliebt, das wirtschaftlich weit entwickelte Süd-Korea viel weniger).


Die osteuropäischen Länder sind weitaus weniger nachgefragt. Was eigentlich schade ist, denn dort könnte man vielleicht noch mehr Neues/Interessantes erleben und mehr für eine kulturelle Verständigung tun als beispielsweise in Frankreich oder in Italien.

 

Die Arbeit

Ein Workcamp beinhaltet – wie der Name schon sagt – ein (angeleitetes) Arbeitsprojekt. Es gibt viele verschiedene Projektarten bzw. Tätigkeiten. Gemeinsam haben sie, dass sie gemeinnützig und nicht kommerziell orientiert sind und dass die tägliche Arbeitszeit zwischen vier und sechs Stunden beträgt, wobei samstags und sonntags normalerweise nicht gearbeitet wird (es sei denn als Austausch mit entsprechenden Wochentagen).

 

Hier eine Auswahl möglicher Projekte:
Renovierung / Restaurierung oder Instandhaltung von gemeinnützigen Einrichtungen wie z. B. Jugendzentren, Spielplätzen, Gemeinschaftshäusern; Ökologische Projekte wie z. B. Reinigen eines Bachlaufes, Anlegen eines Naturlehrpfades; Soziale Projekte wie z. B. Kinderbetreuung im Rahmen von Ferienpassprogrammen, Mitarbeit in einem Waisenhaus, Unterrichten von Kindern in Deutsch oder Englisch; Archäologische Projekte, Vorbereitung und Mithilfe bei der Durchführung von Festivals oder anderen kulturellen Veranstaltungen.

 

Die Arbeit wird nicht finanziell vergütet, dafür sind aber Unterkunft und Verpflegung kostenlos. In der Regel steht auch Geld für gemeinsame Ausflüge zur Verfügung.
In einigen Workcamps gibt es zusätzliche Inhalte oder Workshops zu bestimmten Themen. Soweit es sich in der Ausschreibung um »Sprachcamps« handelt, sind dies dennoch Workcamps, haben aber zusätzlich einen Sprachanteil (eine Art Unterricht/geleitete Kommunikation).



Die Gruppenleitung

Diese Funktion könnte man auch als »Teamen« bezeichnen, weil – jedenfalls in einem Workcamp, das kein Teenage-Camp ist, wo die Aufsichtspflicht eine höhere Betreuungsfunktion gebietet – die Gruppenleiter/innen meist (wenn überhaupt) nur wenig älter als die Mehrheit der Teilnnehmenden und ebenso Mitglieder der Gruppe sind wie die anderen auch, allerdings mit bestimmten Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten. Sie erwarten dich am Ankunftstag, kennen in der Regel die Umgebung, machen Vorschläge für die Freizeitgestaltung, verwalten die Camp-Kasse, halten den Kontakt zur einladenden Workcamp-Organisation und zum Projekt- bzw. Unterkunftsträger, unterstützen sprachlich, helfen bei Entscheidungsfindungen und sind Ansprechpartner für Fragen und möglicherweise auch Probleme der Gruppenmitglieder. Sie sind aber keine Animateure. 

Zur in der Regel selbst finanzierten Anreise kommt eine Anmeldegebühr an die Entsendeorganisation, also an uns. Diese Gebühr ist nicht nur als Bezahlung für die Vermittlung zu sehen, sondern sie hängt auch zusammen mit dem Austauschgedanken. Unsere ausländischen Partner vermitteln – ebenso wie wir umgekehrt – Freiwillige in unsere Projekte in Deutschland. Diese Teilnehmenden zahlen ihre Anmeldegebühr an ihre Organisation zuhause, nicht an uns. Mit deiner Anmeldegebühr finanzieren wir also zum Teil auch unsere Arbeit als Aufnahmeorganisation.

 

Etwas anders verhält es sich hinsichtlich der Projekte im außereuropäischen Ausland. Wie in der Beschreibung zu sehen, ist dort – jedenfalls in den nicht so wohlhabenden Ländern – eine sogenannte Extragebühr fällig. Dies hat zwei Gründe: Zum einen erhalten die Organisationen dort – anders als in (West-)Europa – in der Regel keine öffentliche / staatliche Förderung. Zum anderen sind die sozialen Verhältnisse in diesen Ländern so, dass sich dort kaum jemand die Kosten für eine Workcampteilnahme in Europa leisten könnte. Diesen Organisationen fehlt also eine weitere Finanzierungsquelle.

 

Es bleibt jedoch eine zunächst als berechtigt erscheinende Frage, warum ein(e) Freiwillige(r) vor Ort etwas bezahlen muss (bei den längerfristgen Einsätzen sogar einen bestimmten Betrag pro Monat), wo man doch vor Ort arbeitet/hilft.
Neben der finanziellen Unterstützung der jeweiligen gastgebenden Organisation und deren sozialer Projekte vor Ort gibt es noch einen anderen Gesichtspunkt: Wir vermitteln Freiwillige zwar in sinnvolle Projekte, aber dabei steht das »Helfen« nicht alleine im Vordergrund. Mindestens genauso wichtig erscheint uns das Kennenlernen der anderen Kultur und damit auch eine Reflektion der eigenen Kultur und Werte. Sogenannte »Entwicklungshilfe« betreiben wir nicht. Das Konzept der Projekte vor Ort ist in der Regel so, dass die eigene (natürlich sinnvolle und wichtige Hilfe) eingebettet ist in ein umfassenderes Lernfeld.

 

Es liegt jedoch auch in unserer Verantwortung, mit Organisationen zusammen zu arbeiten, die mit den Gebühren/Geldern verantwortungsvoll umgehen. Wobei dabei die Gefahr besteht, nur die eigenen Maßstäbe zu sehen.

Diese Extra-Gebühr ist übrigens in dem Paketpreis (der auch die Flug- und weitere Kosten beinhaltet) schon enthalten.



Die Frage: Was bringt eine Workcamp-Teilnahme?

In jedem Fall jenseits eines »normalen« Urlaubs neue Erfahrungen – hinsichtlich des besuchten Landes und seiner Gesellschaft, der Kultur der in deinem Camp vertretenen Nationalitäten, aber nicht zuletzt auch deiner eigenen Kultur und Persönlichkeit.

 

Sicherlich auch eine Verbesserung deiner Sprachkenntnisse.

 

Oft ein sichtbar bleibendes Arbeitsergebnis.

 

Wahrscheinlich neue Freunde in anderen Ländern.

 

Vermutlich ein zukünftig erhöhtes Interesse für Nachrichten und Informationen aus Ländern, wo du nun jemanden kennst.

 

Vielleicht bleibende Eindrücke, die irgendwie auch für dein zukünftiges Leben und Entscheidungen mit von Belang sein könnten.

 

Und falls gewünscht, auch eine Teilnahmebescheinigung.